rund um die Heidelbeere - Blütenfrostschutz

 

 

Vermeidung von Blütenfrösten

Schutz von Blüten vor Frösten durch Beregnung

Die Vermeidung von Blütenfrösten im modernen Kulturheidelbeeranbau
Lange Zeit galt die Kulturheidelbeere in der Kulturführung als unproblematisch. Dennoch kam es in den vergangenen Jahren durch das Erfrieren von Blüten zu hohen Ertragseinbußen. Die Praktiker beobachten seit einiger Zeit, dass einzelne Sortengruppen immer früher blühen. So sind Blühtermine der Frühsorten ab dem 19./20. April nichts ungewöhnliches und die Frostgefahr für die Knospen und Blüten steigt.
Bei der Planung einer Neuanlage muss nicht nur der geeignete Standort, sondern auch die topographische Lage berücksichtigt werden.
Nicht immer lässt sich hierdurch die Spätfrostgefahr ( = Fröste im April / Mai) vermeiden.
So gelten Moorstandorte grundsätzlich als geeignet. Da diese aber immer tiefer liegen, sind sie spätfrostgefährdet.
Es gibt verschiedene Methoden der Frostabwehr:

  • Luftumwehung durch Rotoren,
  • Geländeheizung mit Paraffinöfen,
  • Lufttrübung durch Rauchentwicklung
  • Beregnung der Anlage.

Die Spätfrostabwehr durch Beregnung ist die ökologisch und ökonomisch sinnvollste Methode. Bei diesem Verfahren wendet man die Überkronenberegnung mit Langsamregnern an. Sobald die Temperaturen auf 0°C bis 0,5°C absinken, setzt man die Regner in Gang. Dieses geschieht mit Hilfe eines Feuchtthermometers. Der Einschaltzeitpunkt richtet sich nach der Empfindlichkeit der einzelnen Entwicklungsstadien.

Die Frostschutzberegnung bewirkt Freisetzung von Wärme (335 kj/l) durch Änderung des Aggregatzustandes von flüssig zu fest, bzw. von Wasser zu Eis. Durch fortdauernde Benetzung wird dieser Gefrierprozess, das heißt eine konstante Temperatur unter Eis von 0,5 °C, erhalten. Die Knospen bzw. Blüten werden vor dem Erfrieren geschützt. Wird dieser Vorgang unterbrochen, kommt es anstatt zu einer Wärmeabgabe zu einem Wärmeverlust durch Verdunstungskälte, ähnlich wie wir es auf angefeuchteter Haut empfinden.

Unsere Frostschutzanlagen sind nur für kurzfristige Spätfröste ausgelegt. Die Temperaturen müssen im Laufe des folgenden Tages auch wieder über den Gefrierpunkt klettern, um ein Abtauen des Eises zu ermöglichen. Außerdem bestünde dann erhöhte Eisbruchgefahr.

Die Leistungsgrenze einer Frostschutzberegnung wird im wesentlichen von der Tiefe der Temperatur und der Dauer einer Frostschutzmaßnahme bestimmt und liegt bei etwa - 9 °C Feuchttemperatur.

Folgende Kriterien über die wesentlichen Vorgänge der Frostschutzberegnung sind zu berücksichtigen:

  • Verläuft z.B. infolge tieferer Temperaturen und geringerer Luftfeuchtigkeit der Vereisungsprozess schneller, muss zwangsläufig schneller und mehr Wasser auf die zu schützenden Pflanzenteile gebracht werden.
  • Deshalb ist es so wichtig über genügend Wasser zu verfügen.
  • Motor und Pumpe sollten ausreichend Leistungsreserven besitzen, um bei tieferen Temperaturen den Druck und die Wassermenge zu erhöhen.
  • Mindestdruck der Pumpe 5,5 bar.
  • Für 10h Beregnungszeit (300 m³/ha) müssen Wasserreserven bereitstehen.
  • Die Wassermenge muss innerhalb eines Tages nachfließen können.
  • Kraftstoff, Öl und Ersatzteile müssen verfügbar sein.
  • Das gesamte System ist technisch in einwandfreiem Zustand zu halten.
  • Die Regner sind auf 1 Umdrehung/min einzustellen.
  • Sie sollten 3 – 4 mm/Std./m² ausbringen, das entspricht 30 – 40 m³/Std.
  • Der richtige Schlagintervall der Regner richtet sich nach der topographischen Lage.
  • Mindestdruck von 4 bar am letzten Regner bei Maximalleistung kontrollieren.
  • Nur geeichte Feucht – und Trockenthermometer installieren.
  • Unbedingt frühzeitige Probläufe durchführen!
Neben dem Frostschutzeffekt wird bei der Beregnung durch das Wasser eine Reihe von günstigen Wirkungsmechanismen ausgelöst. Das Wasser, so wie aus den Regnern kommt, gibt Wärme an die Luft ab. Warme Luft ist leichter als die bodennahe Kaltluft und steigt demzufolge nach oben auf.
Die Wärmeabgabe ist um so größer, je niedriger die Temperatur sinkt und je größer die Beregnungsfläche ist. Der durch die aufsteigende Warmluft entstehende Unterdruck wird zunächst durch seitlich einströmende, später durch zirkulierende, oft warme, Höhenluft ersetzt. Die seitlich einströmende Luft kann je nach Herkunft wärmer oder kälter sein.
Luft aus moorigen Wiesenbereichen ist im Gegensatz zu der Luft aus beregneten Flächen kälter. Windschutzhecken selbst in unbelaubtem Zustand, können das Eindringen der trägen Kaltluft hemmen und verzögern. Außerdem trägt ein Windschutz dazu bei, die Windgeschwindigkeit und damit die Verdunstungskälte zu verringern, sowie die erzeugte wärmere Luft im Bereich der Anlage zu halten.
Ein weiterer positiver Effekt ist die durch das Wasser entstehende Nebelbildung, die eine Abstrahlung der Bodenwärme in höhere Luftschichten verhindert. Auch in dieser Hinsicht wirkt sich der Windschutz positiv aus.
Aus Messungen geht hervor, dass auf feuchtem Boden die Temperatur in der Nacht weniger stark zurückgeht, als auf trockenen Böden. Dem gegenüber bleiben die Tagestemperaturen insgesamt niedriger.
Die verbreitete Meinung, das bei geringerer oder nicht eintretender Eisbildung die Einschaltung der Frostschutzberegnung überflüssig sei, kann ein Trugschluss sein. Das aus den Regnern kommende relativ warme Wasser, der dadurch eingeleitete Effekt der Luftzirkulation, die Dunstbildung die eine Abstrahlung der Wärme verhindert und der feuchte Boden, der die Wärmeaufnahme über Tag besser speichern kann, reichen bereits für sich aus, leichte Spätfröste zu verhindern.
Es können durch erhöhte Beregnungsintensitäten folgende Nachteile entstehen:
  • Vernässung des Bodens
  • Hemmung der Wurzelaktivitäten
  • Im Moor schlechte Befahrbarkeit der Anlagen
  • Je nach Lage und Dichte der Windschutzhecken: erhöhte Botrytis – und Anthraknose-Gefahr
  • Ansammlung von Oberflächenwasser in Senken.

Dennoch ist eine Frostschutzberegnung in einer Intensivheidelbeeranlage unbedingt erforderlich.

Der gestiegene Kapitaleinsatz verlangt nach konstanten und qualitativ hochwertigen Ernten, damit eine kontinuierliche Marktbelieferung gesichert ist.

 

 


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