rund um die Heidelbeere - Tropfbewässerung

 

Know-how für Heidelbeeranbauer oder

Was man bei der Anlage einer Heidelbeer-Plantage
beachten sollte

 

Plantagengröße und Verkehrslage

Wichtig ist die Entscheidung, in welcher Größe man die Plantage betreiben möchte und ob man die Flächen später eventuell erweitern würde. Das hängt natürlich auch davon ab, wie man die Früchte vermarkten möchte oder vermarkten kann.
Für den Nebenerwerb beschränkt man sich auf eine kleinere Fläche von höchstens 5 ha.

Bei einer guten Verkehrs-und Geschäftslage kann man, wenn die äußeren Bedingungen stimmen, einen großen Teil der Ernte durch Selbstpflücker vermarkten. Ausser dem Verkauf ab Hof kann man Cafés, Restaurants, Hotels, Eisdielen, kleinere Obst- und Gemüsegeschäfte sowie Händler und Küchen von Krankenhäusern und Heimen beliefern.
Man kann auch selbst auf Wochenmärkten verkaufen und vor allen Dingen im eigenen Hofladen. Wenn man dabei noch ein Hofcafé betreiben kann, werden auch beachtliche Mengen Heidelbeeren verarbeitet zu Kuchen, Desserts, Speiseeis, Saft und Heidelbeer-Fruchtaufstrich.

 

Pflanzenschutz

Um wenig, oder besser keine Pflanzenschutzmittel einsetzen zu müssen, pflanzt man nach Möglichkeit robuste Sorten, die nicht krankheitsanfällig sind.
Sorten, die sehr engtriebig wachsen, müssen regelmäßig ausgelichtet werden, damit die Blätter, Blüten und Früchte nach einem Regen und morgens im Tau schnell wieder abtrocknen. Dadurch kann ein eventueller Pilzbefall verhindert werden.
Unterstützen kann man das Abtrocknen der Heidelbeer-Pflanzen in der Plantage, indem man mit einem Laubblasgerät mit Benzinmotor die Regentropfen herunterbläst.
Deshalb sollten bewährte Sorten gepflanzt werden, die von Natur aus locker wachsen.
Ausserdem lassen sich engwüchsige Sorten nicht so gut ernten und die Früchte bekommen nicht so viel Sonne.

Um den Schaden durch tierische Schädiger zu begrenzen oder zu verhindern, empfehle ich, so viel wie möglich und vertretbar, Nistkästen aufzuhängen. Die Ansiedlung von Fledermäusen ist ebenfalls zu empfehlen.

 

Blütenbestäubung

Auf jeden Fall sollte man Hotels für Wildbienen erstellen, um die Befruchtung der Blüten zu verbessern.
Zur Blütezeit ist die Anwesenheit von Bienenvölkern notwendig.
Bei kaltem und regnerischem Wetter fliegen die Bienen zu wenig. Da können einige Hummelvölker Abhilfe schaffen, denn Hummeln sind nicht so empfindlich.

 

Bodenbeschaffenheit

Die vorhandene Bodenbeschaffenheit ist für die Neuanlage einer Heidelbeer-Plantage nicht so wichtig. In den gewachsenen Böden (normalen Ackerflächen) wachsen Heidelbeeren sowieso nicht. Es sei denn, man hat die Möglichkeit, jungfräuliche Moor- oder Heideflächen zur Verfügung zu haben, was sehr selten der Fall ist.

Geht man davon aus, dass nur Ackerland zur Verfügung steht, hebt man einen Pflanzgraben aus und füllt ihn mit jungfräulichem, saurem Substrat mit einem pH-Wert unter 4,5 auf.
Da Heidelbeeren Flachwurzeler sind, genügt eine Grabentiefe von ca. 50 cm.
Je breiter der Pflanzgraben mit dem sauren Material ist, umso besser und erfolgreicher wird das Wachstum und somit der Ertrag sein.
Auch die Lebensdauer einer Heidelbeer-Plantage hängt von den Bodenvorbereitungen ab.

Vorteilhaft wäre ein neutrales, humoses Ackerland ( oder Wiese ), also kein alkalischer, schwerer Boden. Dann könnte man diesen Boden nach einigen Jahren, wenn die Wurzeln der Heidelbeeren das eingebrachte Substrat durchwurzelt haben, im Randbereich des Ackerlandes – der Fahrgasse – und an dem angelegten Pflanzstreifen entlang, mit Schwefel säuern.
Wenn das Ackerland, die Fahrgasse, aber einen zu hohen Salzgehalt aufweist, würde sich die Schwefelanwendung erübrigen.

Heidelbeeren stellen wie keine anderen Obstarten besondere Ansprüche an den Boden. Sogar bei verschiedenen Sorten gibt es unterschiedliche Ansprüche, die man erkunden muss.

Heidelbeerpflanzen gehen eine Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen ein. Die Mykorrhiza machen die Nährstoffe für die Heidelbeerpflanzen aufnahmefähig.
Wenn der Salzgehalt des Bodens zu hoch ist, können dort keine Mykorrhiza gedeihen. Der Boden kann genügend Nährstoffe enthalten, der PH-Wert kann unter 4,5 sein und wenn auch genügend bewässert werden kann, wachsen die Heidelbeerpflanzen trotzdem nicht, weil durch zu hohem Salzgehalt des Bodens keine Mykorrhiza vorhanden sind.

 

Bewässerung

Deshalb ist auch die Analyse des Wassers zum Bewässern der Heidelbeeren sehr wichtig. Nicht nur der pH-Wert, sondern auch der Salzgehalt muss stimmen.
Um keine Fehlinvestitionen zu tätigen, sollte man sich Rat von einem Spezialisten einholen. Zum Beispiel von Herrn Ing. A.P. Entrop, Obstbauzentrum Jork.

Wenn möglich, sollte Regenwasser gesammelt werden. Es gibt relativ preiswerte Betontanks ( mit 12.500 Ltr. Fassungsvermögen ) als Alternative zum Teich.
Da man ja im Sommer nicht ständig bewässern muss und es in den Monaten von Oktober bis Mai relativ viel Regen gibt, kann man sehr viel Regenwasser sammeln.
Ich verbessere das gesammelte Wasser mit Kanne Enzym-Fermentgetreide. Die Inhaltsstoffe wie z.B. Milchsäure, Mineralstoffe, Vitamine und Aminosäuren wirken sich positiv auf das Wachstum der Heidelbeeren aus.
Vor dem Säuern des Bewässerungswassers, das einen zu hohen PH-Wert hat, mit Salz, rate ich ab, weil sonst zu viel Salz in das Erdreich kommt.
Zur Bewässerung empfehle ich eine Tropfbewässerung mit einer vorgeschalteten Filteranlage.

 

Pflanzerde bzw. Pflanzsubstrat

Das Pflanzsubstrat kann man sich selbst zusammenstellen. Wichtig sind viel Torf, den man mit etwas Sägemehl und Sägespänen mischen kann. Das Sägematerial sollte aber keine Farbreste oder andere Chemikalien enthalten.
Mein Vorschlag: Baggertorf aus einer Moorgegend von ungedüngten Flächen z.B. Straßenbau, Baugruben oder Torfwerke.

 

Wildschaden

Pflanzenteile von Heidelbeeren werden gerne von Rehen, Hasen und Kaninchen gefressen. Gegen Wildschäden sollte die Plantage kaninchendicht, mindestens 160 cm hoch mit einem doppelt verzinkten Wildgatterzaun eingefriedigt werden.
Gegen Kaninchen sollte engmaschiger Maschendraht (verzinkt oder kunstoff-ummantelt) von 100 cm Breite zusätzlich zum Wildgatterzaun verwendet werden. Beim Wildgatterzaun sollten die unteren Drähte dicht zusammen sein. Nach oben dürfen die Drähte größere Abstände voneinander haben.
Der engmaschige Draht sollte am Wildgatterzaun so tief angebracht werden, dass das Drahtgeflecht in ca. 30 cm Tiefe nach aussen im Erdreich auf ca. 20 cm Breite abgewinkelt werden kann und wieder mit Erde abgedeckt wird.

Wenn es in der Gemarkung Wildschweine gibt, sollte man dicht über dem Erdboden 2 besonders starke, verzinkte Stacheldrähte ziehen.
Oben über dem Wildgatterzaun kann man gegen zweibeinige Eindringlinge auch 1 oder 2 Stacheldrähte anbringen.

Damit der Zaun eine gute Standfestigkeit hat, empfehle ich druckkessel-imprägnierte Baumpfähle von 250 cm Länge und einen Zopfdurchmesser von mindestens 10 bis 12 cm im Durchmesser. Der Abstand der Pfähle von einander sollte ca. 3 – 4 m betragen.

 

Windschutz

Eine Heidelbeerplantage sollte nicht in freier Feldmark ohne Windschutz angelegt werden.
Übrigens: Windschutzpflanzungen, Vorgewende und Fahrgassen neben den Aussenreihen werden als Plantagenfläche bewertet.
Es gibt also eine Nettofläche, nur (ausschließlich) mit Heidelbeerpflanzen bewachsen und eine Bruttofläche, die bewertet wird.

Wenn kein Windschutz vorhanden ist, sollte er möglichst mit Nadelgehölzen angepflanzt werden. Laubgehölze bringen im Winter und im Frühjahr nur wenig Windschutz. Als Nadelgehölze eignen sich Pinus- und Picea-Arten. Als schlankwüchsige Konifere empfehle ich Cupressocyparis leylandii. Sie ist besonders schnellwüchsig und wächst schlank.

Die Windschutzpflanzen sollten nicht zu dicht angelegt werden, damit die Heidelbeerpflanzen nach einem Regen oder morgens vom Tau möglichst schnell wieder abtrocknen können.

Wenn während der Blütezeit die Pflanzen über einen längeren Zeitraum feucht sind, kann Botrytis (Grauschimmel) auftreten, der die Ernte ernsthaft gefährdet. Im Sommer während der Reife und des Erntens können sich das unangenehme Pflücken der nassen Früchte und die schlechtere Haltbarkeit der feuchten Früchte negativ auswirken.
Durch den Windschutz soll ein für die Heidelbeeren günstiges Kleinklima entstehen.

Gegen Vogelfraß muss die Plantage eventuell eingenetzt werden.

 

Düngung

Die Düngung erfolgt nach vorheriger Bodenuntersuchung.
Ich habe in mehr als 30 Jahren durch Düngungsversuche und –vergleiche die besten Erfahrungen mit einem min.-organischen Volldünger (7% N, 5%P2O5, 8% K2O, 3% MgO) gemacht. Die Menge richtet sich nach Bodenbeschaffenheit und Heidelbeersorte.

Da die Heidelbeeren Flachwurzler sind, sollte auf eine Bodenbearbeitung im Wurzelbereich verzichtet werden.

 

Unkrautbekämpfung

Gegen Unkraut kann man den Bereich um die Pflanze herum oder als Streifen mit Flies oder Folie abdecken, alternativ dazu kann man den Bereich mit Hackschnitzel bedecken. Man kann den Pflanzstreifen einfach nur mulchen durch Mähen oder man setzt Herbizide vorsichtig ein. Letzteres aber frühestens im 3. Standjahr der Heidelbeerplantage.
Für die Plantagenpflege hat sich das Mähen der Fahrgasse mit einem Mulcher bewährt.

Will man innerhalb der Reihe keine Herbizide einsetzen, kann man den Unkrautaufwuchs zwischen den Heidelbeersträuchern mit Freischneider(Motorsensen) kurz halten.
Die Firma Clemens bietet als Anbaugerät an einem Schmalspurschlepper einen „Um den Stock – Mäher“ mit hydraulischer Abtastung an.
Bei dem Einsatz dieses Gerätes darf aber kein Tropfrohr (Bewässerungsrohr) auf der Erde liegen. Man kann es mit kurzen Pfählen und Spanndraht in ca. 30 cm Höhe aufhängen.

Bei begrünten (verunkrauteten) Pflanzstreifen verbrauchen die Kräuter, auch wenn sie kurz gehalten werden, Bodenfeuchtigkeit. Sie treten in Wasserkonkurrenz zu den Heiderbeersträuchern.

 

Blütenfrostschutz

Wenn man sich für eine Heidelbeerplantage entschieden hat, benötigt man zunächst das Land, welches keine Senke (Mulde) haben sollte. Am besten wäre eine Fläche mit leichter Hanglage, damit der Bodenfrost (Kaltluft) während der Blütezeit abfließen kann. In Senken (Mulden), wo die Luft steht, ist die Blütenfrostgefahr größer.

Gegen Blütenfrostschäden kann man eine Frostschutzanlage installieren. Die benötigte Wassermenge und die Pumpenleistung hängen von der Größe der Plantage ab.
Die Zuleitungen der PE-Rohre zu den Standrohren und die Pumpenleistung müssen von einem Spezialisten berechnet werden.
Reicht die Stärke des ELT-Hausanschlusses für ELT-Pumpen nicht aus, benötigt man eine Pumpe mit Verbrennungsmotorantrieb oder eine Pumpe mit Zapfwellenantrieb für den Anbau an einen Ackerschlepper.
Die ¾" verzinkten Standrohre müssen mit Kreis-Regner und einer 4 mm Frostschutzdüse ausgestattet sein.

Hat man nicht genügend Wasser für die Frostschutz-Beregnung zur Verfügung, kann man durch Absaugen der Kaltluft (bei Bodenfrost) Blütenfrostschutz betreiben.
Hersteller dieses Gerätes ist die Firma Metallbau Becker GmbH, Kochs Hof 2, 31582 Nienburg / Weser.

 

Vermarktung

Bei der Anlage einer größeren Plantage sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es in den letzten Jahren keinen Engpass mit Heidelbeeren auf dem deutschen Markt gegeben hat.
Alt eingeführte Heidelbeerplantagen erweitern noch ständig ihre Anbauflächen und Heidelbeerexporte aus dem Ausland drängen auf den deutschen Markt.
Man sollte sich den Absatz vor der Pflanzung möglichst sichern.

 

Investitionskosten

In eine Heidelbeerplantage zu investieren ist nicht mit wenig Kapital möglich.
Berücksichtigen sollte man auch, dass in den ersten 7 Jahren nach der Pflanzung keine Gewinne erzielt werden können.
Spart man bei den Bodenvorbereitungen, kann das schwaches Wachstum und Ausfälle zur Folge haben. Dadurch hat man natürlich auch geringere Erträge und relativ frühes Vergreisen der Sträucher.
Bei guter Bodenvorbereitung kann eine Heidelbeerplantage uralt werden, ja sogar mehrere Generationen überleben.

Heidelbeeren kann man je nach Wüchsigkeit immer wieder verjüngen, indem man zu groß gewordene Büsche kurz über dem Boden absägt bzw. abschneidet. Die Pflanzen machen dann aus dem alten Holz (aus Adventivknospen) im 1. Jahr schon wieder lange Triebe mit Blütenknospen, an denen im darauffolgenden Jahr schon wieder Blüten und Früchte sind.

 

Maschinelle Ernte

Die Pflanzung der Heidelbeeren sollte so angelegt werden, dass später mit Maschinen geerntet werden kann.
Es sollten möglichst lange Reihen entstehen, damit beim Maschineneinsatz z.B. beim Mulchen nicht so oft gewendet werden muss.
Auch die Windschutzpflanzung innerhalb der Plantagenfläche darf der Erntemaschine nicht im Wege stehen.

Man sollte auch die Höhe der Standrohre für die Frostschutzberegnung berücksichtigen. Für die Zeit der maschinellen Ernte sollte man sie auf halber Höhe abschrauben können.
Der Abstand der Reihen voneinander sollte mindestens 3 m betragen. Von Pflanze zu Pflanze in der Reihe benötigt man 100 – 150 cm.

 

Sortenwahl

Bei der Sortenwahl wird es schwierig.
Man sollte darauf achten, dass ein besonders langer Erntezeitraum abgedeckt wird.
Ist eine Maschinenpflücke ausgeschlossen und nur Handpflücke vorgesehen, kann man die bewährten Sorten wie „Bluecrop“ pflanzen, die auch besonders gut für Selbstpflücker zu empfehlen ist.

Die Sorte „Legacy“ ist sehr frohwüchsig und auch sehr ertragreich. Sie ist besonders gut im Geschmack, wie auch die Sorte „Bluecrop“, und sie ist sehr haltbar. Sie hat einen frühen Blühbeginn und ist deshalb Knospen- und Blütenfrost gefährdet. Sie ist in einigen Regionen in Deutschland nicht zu empfehlen.

Die Sorte „Duke“ sollte als frühe Sorte mit im Sortiment sein. Man sollte auf jeden Fall Sorten bevorzugen, deren Früchte nach der Ernte lange Zeit haltbar bleiben wie z.B. „Draper“, „Liberty“ und „Duke“.

Wenn auch zur Zeit noch kein Einsatz von Erntemaschinen geplant ist, sollte man Sorten pflanzen, die feste Früchte haben und die sich nach einer maschinellen Ernte noch als Frischfrucht vermarkten lassen.

 

Der Schnitt

Beim Schnitt kann man sich auf das Auslichten der Sträucher beschränken.
Es ist empfehlenswert, wenn man die Sträucher im unteren Bereich, so ca. 30 cm über dem Boden (über der Erde), besonders schmal hält. Bei der maschinellen Ernte würden sich sonst die Bodenlamellen zu weit öffnen und zu viele Früchte durch die Öffnung auf den Boden fallen.

 

Schlussworte

Die Heidelbeerkultur ist sehr interessant. Sie ist in jedem Jahr anders. Die Heidelbeerpflanzen sind sehr empfindlich und reagieren bei jeder kleinen Veränderung.
Die einzelnen Sorten reagieren sogar unterschiedlich auf den Boden, die Düngung, Feuchtigkeit, Wärme, Kälte und Lichtverhältnisse.

Wenn man erst einmal mit Heidelbeeren lebt, kommt man nicht mehr davon los!

 

Friedrich Wassermann, 20. Oktober 2014

 

 


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