20 Jahre Heidelbeerplantage Neustadt

aus Land & Forst 36 - 2000

 

Heidelbeeren - ein blauer Traum
20 Jahre Heidelbeerplantage Neustadt

Unternehmerische Leistungsfähigkeit gepaart mit Mut und Durchsetzungskraft bewies Friedrich Wassermann aus Neustadt am Rübenberge in den vergangenen 20 Jahren bei der Leitung seiner Heidelbeerplantage. Mit vielen Ideen hat er seinen Betrieb zu einer weit bekannten Plantage entwickelt, die einen Besuch zum Erlebnis macht.

Heidelbeeren, die der Volksmund auch Bick- oder Blaubeeren nennt, erfreuen sich zunehmend großer Beliebtheit. Sie sind nicht nur ein gut schmeckendes Obst, sondern auch ein alt bekanntes Heilmittel.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich mit dem Anbau von Kulturheidelbeeren eine erfolgreiche Marktnische gebildet. In Deutschland schätzt man die gesamte Heidelbeerfläche mittlerweile auf 700 bis 1000 ha. Niedersachsen hat sich dabei mit 80 Anbauern zum Zentrum in Deutschland entwickelt.
 

Ein Unternehmer mit Ideen

Einen wahrhaftig „blauen Traum" lebt Friedrich Wassermann aus Neustadt am Rübenberge, dem es mit seiner Heidelbeerplantage gelang, nach einer Baumschule und einem Gartenbaubetrieb einen dritten florierenden Betrieb aufzubauen und nun auf zwanzig erfolgreiche Jahre zurückblicken kann.
 

Landwirtschaftsminister Uwe Barteis gratulierte
Friedrich Wassermann und Iris Müller zum 
20-jährigen Betriebsjubiläum. 
Foto: Annemane Schulze

Landwirtschaftsminister Bartels würdigte seinen Einsatz mit den Worten: „Viele Menschen wären schon froh, wenn ihnen die Gründung eines Betriebes gelänge!" Sein Erfolgsgeheimnis sieht Wassermann in „seinem guten Team." Seine Familie unterstütze ihn und gebe ihm den nötigen Rückhalt für neue Aktivitäten. „Unsere polnischen Mitarbeiter kommen seit zehn Jahren zu uns, erst allein, dann mit ihren Frauen und anschließend mit erwachsenen Kindern. Sie sind ehrlich, fleißig und ermöglichen uns eine reibungslose Ernte!" so Wassermann. Diese Worte veranlassten Dr. Udo Funch, 1.Vorsitzender des Bundes deutscher Heidelbeeranbauer, die Bitte an Landwirtschaftsminister Bartels zu richten, dass die Politik eine Basis für ein unbürokratisches Anwerben ausländischer Arbeiter schaffen möge, denn ohne diese Arbeitskräfte sei ein erfolgreicher Fortbestand der arbeitsintensiven Betriebe unmöglich.
 

Unterwegs im „Heidelbeer-Express"

Um allen Besuchern einen Einblick über die Größe und Schönheit seiner Anlage geben zu können, besteht die Möglichkeit, mit dem „Heidelbeer-Express" auf eine Rundfahrt durch das 14,5 ha große Gelände zu gehen. Auffällig sind die immer wiederkehrenden Kiefernreihen, die einen Windschutz bilden, und die 200 Nistkästen, die den für die Schadinsektenbekämpfung wichtigen Vögeln Brutraum bieten. Auf den acht Hektar Heidelbeerplantage stehen 29 verschiedene Heidelbeersorten.
Jeder kann in der Plantage für den Eigenbedarf pflücken. „Sie brauchen beim Pflücken nicht zu singen oder zu pfeifen, sie können soviel essen wie hineinpasst. Sie werden ja nicht gewogen!" sagte Heidi Wolfstein, Sekretärin des Unternehmens und umschrieb damit den unkomplizierten Ablauf im Betrieb.
Im angeschlossenen Plantagencafe werden den Besuchern verschiedene Heidelbeerspezialitäten geboten, sodass jeder sein „blaues Wunder" erleben kann.
 

Begeisterndes Ambiente

Sichtlich begeistert vom herrlichen Ambiente zeigte sich nicht nur der in Begleitung des Landwirtschaftsministers erschienene parlamentarische Staatssekretär des litauischen Landwirtschaftsministeriums Alfonser Tamosiunas: „Ich möchte diesen Betrieb als Paradies bezeichnen! Sie haben die Heidelbeeren, die sind blau wie die Augen einer Frau und der Himmel!"
Dieses „Paradies" muss jedoch auch gepflegt werden. Während und direkt nach der Ernte werden die Pflanzen beschnitten. Damit erhalten die einzelnen Stauden genügend Licht und Luft, sodass Früchte besser abreifen können bzw. Pilzerkrankungen vorgebeugt werden kann. Nach 16 Jahren rodete Friedrich Wassermann einen Teil der Anlage, da bestimmte Sorten nicht mehr nachgefragt wurden bzw. die Erträge ab dem 10. Jahr wieder abnehmen. Eine Bewässerung wird auf diesem Standort nur im Sommer bei langer Trockenheit bzw. im Frühjahr zur Frostberegnung der Blüten erforderlich.
Die einst aus Nordamerika stammende Heidelbeere gehört zu den Heidekrautgewächsen, die genauso wie der Rhododendron einen sauren humosen Boden mit einem pH-Wert unter 4 erfordert. Erst dann kann sich der mit der Pflanze in Symbiose lebende Mykorrhiza-Pilz ansiedeln. Je nach Standortgüte sind Erträge zwischen 24 und 218 dt/ha zu erzielen. Daher warnte Dr. Karl-Heinz Tiemann, Leiter des Obstbau-Versuchs- und Beratungszentrums Jork, vor unsachgemäßer Expansion im Heidelbeeranbau. Zudem sei der Anbau erst wirtschaftlich rentabel, wenn der Verkaufspreis oberhalb der Erzeugerkosten von 4,70 DM/kg Heidelbeeren läge.
Um dem Markt gerecht zu werden, haben sich viele Heidelbeererzeuger zu Vermarktungsgruppen wie „Die dicken Blauen" oder „Heidelbeergarten" zusammengeschlossen. Friedrich Wassermann gelingt es, über Metro-Großmärkte, Schmelz-Reformhäuser, die Direktvermarktung sowie das Plantagencafe den Verkauf seiner Früchte eigenständig zu organisieren.

Annemarie Schulze

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung Herrn Obermeiers vom Landbuchverlag

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